Das Märchen vom Stolperstein

Es war einmal, so fangen sie an: die Märchen. Es war einmal ein Gedanke, den engagierte Menschen aus unserer Stadt auf den Weg brachten und der sie so faszinierte, dass er sie nicht mehr los ließ. Der Gedanke vom Stolperstein.
In jeder Stadt gibt es sie, diese Stolpersteine. Viele haben sie selbst schon kennen gelernt. Haben sie schmerzlich am eigenen Leib erfahren. Andere haben davon gehört. Und so grübelten sie lange Zeit, bis ihnen eine innere Stimme sagte: Macht euch auf den Weg! Sucht in eurer Stadt einen neuen Stein, einen Stein, über den man stolpern kann, ohne zu fallen.
Da zogen sie los, Männer und Frauen auf der Suche nach diesem Stein. Und sie fanden ihn. Nach jahrelanger mühsamer Spurensuche lag er plötzlich da: ihr eigener, ganz spezieller Stolperstein.

Aber wie nun diesen Stein ins Rollen bringen? Das kostete nicht nur Mut und Risikobereitschaft, sondern auch Geld. Zum zweiten Mal grübelten sie und dachten nach. Und wieder fanden sie eine Lösung: „Wir erzählen so viel davon, dass auch andere kommen und diesen Stein sehen wollen.“ Und so kam es, dass immer mehr davon angesteckt wurden. Alle suchten jetzt eine Möglichkeit, den Stein beherbergen zu können. Und auch die dritte Aufgabe wurde schließlich von Erfolg gekrönt. In den gefundenen Räumlichkeiten in der Flurenwende sollte der Stein sein Zuhause haben.
Und hat das Märchen auch ein Happy-End? Ja, es hat. Der Stolperstein wurde angenommen. Jedes Wochenende besuchen viele Menschen aus unserer Stadt ihren Stolperstein.Sie haben ihn kennen und lieben gelernt.

Denn sie wissen ganz genau, wie es ist, wenn man über Steine gestolpert ist, wenn man gefallen ist, keine Kraft mehr hatte, aufzustehen und wieder auf die Beine zu gelangen. Menschen in Krisen jeder Art, suchtgefährdete Menschen, Menschen, die über Drogen, Tablettenmissbrauch oder Alkohol gestolpert sind. Einsame, Kontaktarme. Sie suchen in ihrem Stolperstein Geborgenheit, Verständnis, ein Angenommensein. Und schon sind Freundschaften, Beziehungen entstanden, die helfen und aufbauen können. Und wenn der Gedanke nicht gestorben ist, dann lebt er auch noch heute. Manche waren am Anfang skeptisch. Alles über Mitgliedsbeiträge, Spenden? Nun, der Stolperstein lebt auch im dritten Jahr. Und er lebt so intensiv, dass das Märchen eine Fortsetzung bekommt.

Der erwachsene Stolperstein

Jeder hat einmal klein angefangen: auch unser kleiner Stolperstein. Aber im Märchen können selbst Steine wachsen. Sie werden groß und brauchen neuen Platz. Den hat er gefunden.
In der Freudenberger
Str. 16 in Siegen. Viel schöner wird er es dort vorfinden, sauberer, größer, „sanitärer“, eben angemessener für das, was er darstellt.
Ob unser Märchen aber in ein paar Jahren wieder so glücklich ausgeht? Wir sind da voller guter Hoffnung. Gibt es doch engagierte Menschen, die das toll finden, was dort geschieht.
Vielleicht gehören auch Sie dazu. Vielleicht möchten Sie teilhaben am Happy-End?

Wir dürfen träumen. Damit unser Traum wahr wird, brauchen wir Hilfe. Wir denken dabei auch an Sie. Helfen Sie uns, damit viele Menschen in unserer Stadt einen Stolperstein finden, der sie nicht fallen lässt. Und wenn Sie mal vorbeischauen wollen: Tun Sie das. Möglicherweise lassen Sie sich anstecken. So werden Märchen wahr; der Stolperstein lebt auch im 18. Jahr.

Danke sagen alle Mitglieder und Gäste vom Stolperstein.